Veranstaltungen im Jahr 2001

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Gert NeumannAnschlag

Am Samstag, den 26. Mai 2001, um 19:30 Uhr in unseren Geschäftsräumen in Tharandt

Nichts ist seit der deutschen Vereinigung so wüst wie das gegenseitige Verstehen, denn ungleiche Erfahrungen sind nicht diskutierbar. "Anschlag" ist ein einziger langer Gedanke über die fahrlässig verschenkten Möglichkeiten beider deutscher Seiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zwei Figuren, ein "Wessi" und ein "Ossi", zufällig zusammengeweht durch den billigen Wochenendtarif der Deutschen Bahn, gehen durch den von Linné angelegten berühmten Landschaftsgarten des Klosters Chorin. Das Thema des Romans: ein deutsch-deutsches Gespräch über Verweigerung und Widerstand. Im Zentrum dieses Gesprächs steht die Aufforderung des Westdeutschen: "Erklär mir Widerstand!" - nur: genau das, eine "Erklärung", verweigert Neumann; vielmehr führt er Widerstand vor, indem er vom Widerstand auf seine Art und Weise erzählt.

"Anschlag" ist mehr als ein Wenderoman, befaßt sich mit der Sprachlosigkeit zwischen Ost und West und den Unterlassungen der Erinnerungsarbeit. "Erklär mir Widerstand" sei zum ersten literarischen Ost-West-Gespräch überhaupt geworden - so Walser und stellt endlich wieder ein literarisches Ereignis dar.

Gert Neumann wurde 1947 in Heilsberg/Ostpreußen geboren. Nach einer Ausbildung als Traktorist und Schlosser begann er sein Studium am ehemaligen DDR-Literaturinstitut in Leipzig, welches er 1969 mit der Exmatrikulation und den Ausschluß aus der SED beendete.

Heute lebt G. Neumann in Berlin; zu seinen längst vergriffenen Büchern zählen: "Die Schuld der Worte" (1979), "Elf Uhr" (1981) und "Die Klandestinität der Kesselreiniger" (1989).