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Mike SchmeitznerDer Fall Mutschmann

Am Donnerstag, den 29. März 2012, um 19:30 Uhr In unseren Geschäftsräumen in Tharandt.

gemeinsam mit dem Staatsminister für Kultus, Prof. Dr. Roland Wöller MdL, lade ich Sie herzlich ein:

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Im Kreis der 43 Gauleiter des „Großdeutschen Reiches“ zählte Martin Mutschmann zu den mächtigsten: Es gab nur wenige regionale Parteiführer, die neben der politischen Leitung des Gaus auch die entscheidenden staatlichen Führungspositionen in den Händen hielten und überdies zu Hitlers frühesten Gefolgsleuten zählten. Seit 1925 war er Gauleiter der sächsi-schen NSDAP, seit 1933 Reichsstatthalter und seit 1935 Ministerpräsident in Sachsen. 1939 kam der einflussreiche Posten eines Reichsverteidigungskommissars hinzu. Noch Anfang 1945, aus Anlass seines 20-jährigen Gauleiter-Jubiläums, ließ er sich von der eigenen Presse als einen der „tatkräftigsten und fanatischsten Gefolgsmänner des Führers“ feiern. Nach Kriegsende versuchte Mutschmann Richtung Westen zu fliehen. Doch er kam nicht weit: Am 16. Mai 1945 wurde er in Tellerhäuser (Erzgebirge) von deutscher „Antifa“ verhaftet und einen Tag später der sowjetischen Besatzungsmacht übergeben. Seitdem verlor sich seine Spur im Dunkel der Geschichte.

Die hier erstmals ausgewerteten sowjetischen Akten zum „Fall Mutschmann“ fördern brisante Details und Zusammenhänge zu Tage: seine frühe Überstellung nach Moskau, die interne Suche nach einem angemessenen Tribunal, schließlich das sowjetische Geheimverfahren und seine Exekution Anfang 1947. Die Akten bieten aber auch neue Einblicke in Mutschmanns „Vorleben“ als Unternehmer und Gauleiter. Und sie lassen deutlich werden, was es im Kon-kreten hieß, wenn Stalins Justiz nationalsozialistische Verbrechen ahndete. Darüber hinaus werden Fragen geklärt, die sich aus dem sowjetischen Verfahren ergeben: Wie ist dieser Moskauer Prozess im Vergleich zu anderen alliierten und (west-)deutschen Gauleiter-Prozessen einzuordnen? Welche Rolle spielten Mutschmanns Belastungszeugen aus der Füh-rungsriege der sächsischen NSDAP? Welches Ende erwartete sie? Und schließlich: Was pas-sierte mit seiner Ehefrau Minna Mutschmann? Welche Bedeutung hatten die „Waldheimer Prozesse“ für sie?

Über den Autor

Mike Schmeitzner, geb. 1968, 1999 Dr. phil., Studium der Geschichte, Germanistik und Er-ziehungswissenschaften in Dresden; 1994-1997 Graduiertenstipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung; seit 1997 wiss. Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden und seit 2001 Lehrbeauftragter ebendort; 2010/11 Gastprofessor für Neuere und Zeitgeschichte an der Universität Erfurt; Mitglied verschiedener Wissenschaftli-cher Beiräte (u.a. des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Sächsische Gedenkstätten)

Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und der SBZ/DDR, insbesondere auch zum Parlamentarismus, zur Jugendbewegung und zur Geschichte der Totalitarismuskonzeptionen, als Autor und Herausgeber u.a. „Alfred Fellisch 1884-1973. Eine Biographie“, Köln/Weimar/Wien 2000; „Die Partei der Diktaturdurchset-zung. KPD/SED in Sachsen 1945-1952“ (zus. mit Stefan Donth), Köln/Weimar/Wien 2002; „Sowjetische Militärtribunale. Band 2: Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945-1955“ (zus. mit Andreas Hilger und Ute Schmidt), Köln/Weimar/Wien 2003; „Im Schatten der FDJ. Die ‚Junge Union’ in Sachsen 1945-1950“, Göttingen 2004; „Von Macht und Ohnmacht. Sächsische Ministerpräsidenten im Zeitalter der Extreme 1919-1952“ (zus. mit Andreas Wag-ner), Beucha/Dresden 2006; „Totalitarismuskritik von links. Deutsche Diskurse im 20. Jahr-hundert“, Göttingen 2007; „Länder, Gaue und Bezirke. Mitteldeutschland im 20. Jahrhundert“ (zus. mit Michael Richter und Thomas Schaarschmidt), Halle 2008; „Doppelt verfolgt. Das widerständige Leben des Arno Wend“, Berlin 2009; „Richard Löwenthal: Faschismus – Bol-schewismus – Totalitarismus. Schriften zur Weltanschauungsdiktatur im 20. Jahrhundert“, Göttingen 2009.

Eintritt frei