Tommy JaudVollidiot

Fischer Taschenbücher

Simon ist in Single-Phase vier. Das ist die, in der einem „Ficken“ auf den Kopf tätowiert steht und das Schlimmste was einem passieren kann ein Nachmittag im pärchen-verseuchten IKEA ist. Dazu kommt, dass Simon im T-Punkt arbeitet, seinen Job hasst. Das trifft sich gut, da nicht davon auszugehen ist, dass er ihn sehr viel länger behalten wird, nachdem er einer Achtjährigen ein Foto-Handy inklusive 2-Jahres-Vertrag vertickt hat... Und dann ist da noch das Mädel aus dem Starbucks gegenüber, den Simon allerdings so gut es geht meidet, da er die Kuba-Politik der USA nicht unterstützen will... oder so ähnlich. Tommy Jauds „Vollidiot“ läßt einen Tränen lachen, so herrlich ungeschickt und trampelig stolpert Simon, der T-Punkt-Verkäufer, durch sein Leben. Tommy Jaud schreibt, was Simon denkt. Ehrlich, spontan, völlig unreflektiert und total unlogisch. Nach der Lektüre ist man sich sicher: Die Pubertät endet frühestens mit 30, wenn überhaupt. Und bis dahin ist das Leben ziemlich kompliziert, vor allem, wenn man sich dabei so sehr selbst im Weg steht wie Simon. Dass er bei all dem was ihm passiert nie seinen Humor verliert, immer gespickt mit einer schönen Prise Zynismus, macht das Buch zum perfekten Zwerchfellstimulator für graue Regennachmittage. Wer tiefe Einblicke in das Seelenleben der Singles im Jahr 2004 erwartet, der wird enttäuscht. Wer sich über viel Slapstick und saulustige Situationskomik totlachen möchte, leicht verdaulich und einfach zu verstehen, der ist hier genau richtig.

Tommy Jaud: "Vollidiot"
Fischer Taschenbücher, Taschenbuch, 7,95 Euro.