Rafik SchamiSophia oder Der Anfang aller Geschichten

Hanser Literaturverlag

Es ist ein magischer Moment, wenn ein Roman eine Tür öffnet und der Leser einen Blick auf unbekanntes Wunderbares wagen kann.

Öffnet sich die Tür zur Erzählwelt Rafik Schamis spürt der Leser unmittelbar diesen besonderen sprachlichen Sog, der ihn in das Geschehen trägt, in dem er sich schnell wunderbar zu Hause fühlt.

Genauso ist es mir wieder ergangen, als ich „Sophia oder Der Anfang aller Geschichten“ öffnete.

Ich begleitete von da an Salman, der sein Heimatland Syrien verlassen musste, um dem herrschenden Terror zu entkommen. Konnte erleben, was es bedeutet, allein auf der Reise zu sein, sich wieder ein Lebensplatz erobern zu müssen, immer mit der Ungewissheit der Rückkehr leben zu müssen.

Salman – längst zu Hause in Rom – wagt nach vielen Jahren einen Besuch in seiner Heimat, denn selbst nach so langer Zeit will die Sehnsucht nach diesem Land, nach dieser Stadt Damaskus nicht leiser werden. Vielleicht soll noch einmal geprüft werden, ob all seine Bilder der Exiljahre nicht nur der Wunsch eines Suchenden sind.

Er begibt sich auf diese noch immer unsichere Reise und gerät in die Fänge des Geheimdienstes, sein Leben ist erneut in Gefahr.

Immer wieder schaudert es den Leser, ob der perfiden Methoden, die dieses Land in Angst und Unfreiheit versetzen und man kann erahnen, was es für Menschen bedeutet, in diesem Land leben zu müssen, kann erahnen, warum sie bereit sind, furchtbare Gefahren für eine Flucht auf sich zu nehmen.

Und man trifft auf Figuren, wie Sophia, Karim oder Aida, die den Mut haben, sich all diesen Gefahren entgegen zu stellen, um die Menschlichkeit und die Liebe zu leben und damit treffen sie mitten in das Leserherz.

Man hat sich soviel Lebensfreude, Lebensweisheit und Hoffnung erlesen, wenn man die Tür ganz wehmütig schließt.

Rafik Schami: "Sophia oder Der Anfang aller Geschichten"
Hanser Literaturverlag, gebunden, 24,90€.
Diese Besprechung schrieb Belinda Peltsch.