Charles SimmonsSalzwasser

C. H. Beck

«'Es ist also abgemacht', begann er, setzte sich bequemer in den Sessel und zündete sich eine Zigarre an, 'dass jeder von uns die Geschichte seiner ersten Liebe erzählen muss. Sie sind an der Reihe, Sergej Nikolajewitsch.'»

Iwan Turgenjew, "Erste Liebe"

Anstelle eines Vorwortes steht dieses Zitat aus Turgenjews Werk, das Simmons hier neu erzählt. Seine Geschichte beginnt mit der folgenden Zeile, die auch den Klappentext des Bandes ziert: "Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank."

Michael ist sechzehn, er wohnt mit seinen Eltern auf Bone Point, einer schmalen langgestreckten Halbinsel vor der Ostküste der USA. Zu ihrem Anwesen gehört noch ein Gästehaus, das im Sommer vermietet wird. In jenem schicksalhaften Jahr zieht die verführerische Mrs. Mertz mit ihrer schönen zwanzigjährigen Tochter Zina ein, der Michael sofort zugetan und ihren Launen ausgeliefert ist. Sie spielt mit ihm, dem kleinen, unerfahrenen Jungen und bringt seine Gefühle völlig durcheinander.

Am Ende des Sommers ist die bis dato heile Welt der Kindheit Michaels in Scherben, tragisch der Tod seines Vaters.

Simmons erzählt in seiner feinen leichtfüßigen Geschichte in wunderbarer Sprache von einer verstörenden Liebe, die etwas kaputt macht, was wohl nie wieder zusammengefügt werden kann. In melancholischem Ton, immer den Eindruck erweckend, dass alles ganz selbsverständlich so ablaufen müsse, zieht die Erzählung ihren Leser in ihren Bann, lässt ihn auch noch nach der Lektüre über das eigentlich Unglaubhafte, den Tod des Vaters, an dem Michael nicht ganz unschuldig ist, und die Unverfrorenheit Zinas nachdenken.

"Salzwasser" ein Buch für einen Winterabend, mit leichtem Schmerz ruft es Erinnerungen an den Sommer und die eigene erste Liebe wach, forciert sanft, einen erneuten Schluck vom warmen Tee zu nehmen und leise zu seufzen. Wunderschön.

Charles Simmons: "Salzwasser"
C. H. Beck, gebunden, 17,50 Euro.
Diese Besprechung schrieb Philipp Erler.