Judith HermannNichts als Gespenster

S. Fischer

Endlich meldet sich Judith Hermann zurück, trotz der Unkenrufe: mit einem Kind könne sie diese Qualität nicht halten. Sie hat beides zu vereinen gewusst uns beweist nun das Gegenteil.

Wie schon in „Sommerhaus, später“ sind diese Erzählungen, jede für sich, ein Kleinod in diesem Frühjahr.

Vordergründig geht es um Paarbeziehungen, die misslingen. Trotz der Sehnsucht nach Nähe finden sie sich nicht, immer agieren sie aneinander vorbei. So recht entscheiden, welche dieser einfühlsamen, ernsthaften und doch so schwebenden Geschichten mir am besten gefallen hat, weiß ich nicht zu entscheiden.

Judith Hermann reist mit uns weit, nicht nur von Berlin nach Prag, sondern auch in Island, Nevada uns Tromsø spielen diese 7 Geschichten. Sie sind ca. 40-60 Seiten lang und jede für sich literarisch ganz fein. Gerade diese Form der einzelnen Geschichten spiegelt ihre Wahrnehmung am besten wider. Sie sind so perfekt, dass die Diskussion um eine Romanform sich für mich gar nicht stellt. Diese Geschichten hier wiederzugeben wäre vermessen, denn jede einzelne lebt von ihrem eigenen Ton und den Zwischentönen, trotz des Scheiterns der handelnden Personen ist dies kein bisschen schwermütig, eher schwebend.

Also, es hilft nichts, Sie müssen dieses Buch selbst lesen und genießen.

Judith Hermann: "Nichts als Gespenster"
S. Fischer, gebunden, 17,90 euro.
Diese Besprechung schrieb Annaluise Erler.