Tanja DückersHimmelskörper

Aufbau-Verlag

Wenn man diesen Buchtitel liest, erwartet man etwas ganz anderes und ist nach dem Eintauchen ganz überrascht von der Dichte dieses Buches.

Wer vermutet bei so einem Buchtitel einen vielschichtigen Familienroman? Sicher, die junge Freia ist Meteorologin und beobachtet die Wolken, aber sie ist auch schwanger und möchte sich ein genaues Bild von ihrer Familie machen, ihre Geheimnisse aufspüren, bevor das Kind in sie hineingeboren wird.

Wie in jeder Familie gibt es auch hier Themen, über die nicht gesprochen wird oder solche, über die zuviel gesprochen wird. Die Flucht aus Westpreußen erzählen die Großeltern immer wieder und mit immer gleichen Worten, warum wird die Mutter dann immer still oder aggressiv? Warum fährt die Mutter nach Polen? Was ist damals passiert? Wie setzen sich die Familienmitglieder mit der Vergangenheit auseinander?

Sanft und tastend geht Freia auf Spurensuche, sucht auch das Gespräch mit der Mutter. Eine merkwürdige Großmutter-Mutter-Tochter-Beziehung wird hier einfühlsam geschildert. „Wir haben uns verpasst“, sagt Freia mit Blick auf die Mutter und weint.

Alle Figuren erzählen von Träumen und Wünschen, ihrem Überdruss und ihren Lebenszwängen.

Tanja Dückers gelingt ein vielschichtiges Familienporträt, in dem sie zum dunklen Kern von Beziehungen und Erinnerungen vorstößt. Dieses Buch liest sich nicht nur gut, sondern kann auch Anstoß sein, sich mit Familiengeschichte auseinander zu setzen, mit Mutter-Kind-Beziehungen oder der Rolle der Mutter in den Generationen. Wer wird hier wem gerecht?

Tanja Dückers: "Himmelskörper"
Aufbau-Verlag, gebunden, 16,90 €.
Diese Besprechung schrieb Annaluise Erler.