Thomas SautnerFuchserde

Picus

"Eine ferne, verlorene Welt ist niemals verloren und fern, wenn jemand sie noch im Herzen trägt."

So zitiert der Autor Alberto Cavallari zu Beginn des Romanes und äußert damit schon dessen eigentliche Kernaussage. Denn erzählt wird die Geschichte eines Volkes, das heute kaum bekannt sein wird: die Jenischen. Den Versuch, die vergessene Welt jener Menschen mit dem Leser neu zu entdecken, unterrnimmt Thomas Sautner mithilfe dieses Romans. Er lässt damit Einblicke gewähren in das Leben eines Stammes, der seit Jahrhunderten als Minderheit in Europa existiert. Trotz ewigem Kampf um Anerkennung und Akzeptanz in der Gesellschaft hat dieses fahrende Volk nie aufgehört, seine Traditionen zu leben und diese von Generation zu Generation weiterzugeben.

Nahezu fragmentartig schildert der Autor die Geschichte eines Jenischen aus dessen Sicht. Diese Erzählperspektive vermittelt dem Leser durch ihre Authentizität den Eindruck, direkt am Handlungsgeschehen teilzunehmen und somit mit den handelnden Personen mitzufühlen, ja sich sogar mit diesen zu identifizieren. Sensibel und zutiefst berührend verbindet Thomas Sautner Einzelschicksale, Lebenssituationen und damit verbunden historische Fakten. Dies gelingt ihm auf wunderbare Weise: sowohl fesselnd, klug und sogar amüsant als auch erschütternd und ergreifend. Entstanden ist ein Buch voller Magie, Anmut und Schmerz, dem es gelingt, den Leser zu bereichern. Schon allein deshalb äußerst lesenswert.

Thomas Sautner: "Fuchserde"
Picus, gebunden, 19,90 Euro.
Diese Besprechung schrieb Elisabeth Auerbach.