Susanne FenglerFräulein Schröder

Kiepenheuer

Erinnern Sie sich noch an 2002? Welche Frage, das Hochwasser wird noch lange in Erinnerung bleiben. Aber 2002 war auch das Jahr des unaufhaltsamen Aufstiegs der Union, der Entscheidung nach quälendem Wettstreit, dass Stoiber den Kanzler herausfordern solle, der gewonnen geglaubten Wahl und des plötzlichen Absturzes. Wer hätte das geahnt?

Keiner, mit Ausnahme von Fräulein Schröder! Ausgerchnet diese verschrobene, vom Erfolg verlassene Doktorandin der Atertumswissenschaften mit dem politisch völlig unkorrekten Namen sieht das Dilemma der Union voraus und versagt kläglich bei ihren Versuchen, die Sternengleichen der Partei zu warenen.

Woher aber hat sie ihr Wissen?

Wiederholt sich die Geschichte doch? Zuviele Parallelen bauen sich vor ihren Augen (und vor den staunenden und alchenden Augen des Lesers) auf zwischen der Gegenwart und der Geschichte der Ptolomäer.

Der Witz, die Gabe, den Leser zu überraschen, un die intime Kenntnis des Innenlebens einer Parteizentrale machen dieses Buch von Susanne Fengler zu einem großen Lesevergnügen. Aber es ist mehr: Was uns ohne Namensnennung und Anspruch, dokumentarisch zu sein, als reine dichterische Erfindung präsentiert wird, ruft so viel vom Jahr 2002 in uns wach, als würden wie die wilden Monate vor der Wahl noch einmal durchleben. Erinnern Sie sich noch an 2002? "Aber sicher, "weil es ihr Haar war, über das alle Welt sprach".

Susanne Fengler: "Fräulein Schröder"
Kiepenheuer, gebunden, 19,90 Euro.
Diese Besprechung schrieb Jörn Erler.