Mitchell MitchellDie tausend Herbste des Jacob de Zoet

Rowohlt

Zu den schönsten Leseerinnerungen gehört wohl das Eintauchen in eine Geschichte, so dass man meint, ein Teil dieser zu sein.

Bis vor kurzem glaubte ich, dieses wäre eher ein Privileg des kindlichen Lesers.

Vielleicht liegt das Besondere des neuen Romans von David Mitchell „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ darin, das Kind in uns wecken zu können.

Wir lassen uns gerne mit auf die Reise zurück in das Japan des beginnenden 19. Jahrhunderts nehmen, lassen uns verführen von dieser – auch heute noch – fremden Welt, wollen den Figuren ein Abenteuerbegleiter sein.

Schnell werden wir mit diesen, z.B. der Hebamme Orito oder dem niederländischen Buchhalter der Handelsstation Jacob, vertraut, verlieren sie wieder in der überbordenden Erzählwelt Mitchells, um sie dann wieder zu finden und sind traurig, wenn wir sie am Ende ziehen lassen müssen. Irgendwie wünschen wir uns beim Schließen des Buches – ganz Kind – mehr zu erfahren, als uns der Autor verraten will.

Zu aller Lesefreude gesellt sich eine sinnliche Freude, wenn man das Buch in die Hand nimmt, nicht nur, dass man die „Schwere“ dieser Erzählwelt misst, man freut sich am Einband, an den eingestreuten Illustrationen, am Leseband ... – ein Plädoyer für das Buch.

Mitchell Mitchell: "Die tausend Herbste des Jacob de Zoet"
Rowohlt, gebunden, 19,95 Euro.
Diese Besprechung schrieb Belinda Peltsch.