Janice DeanerDie Schatten der Vergangenheit

Rowohlt

Schon die beiden früher erschienenen Romane der New Yorker Autorin konnte ich nicht zur Seite legen. "Als der Blues begann" und "Fünf Tage und fünf Nächte", zwei recht unterschiedliche Bücher und doch von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

In diesem neuen Werk zeigt die Autorin wiederum, wieviel unterschiedliche Themen ihr zur Verfügung stehen.

Nachdem alle seine wissenschaftlichen Unterlagen bei einem Wohnungsbrand vernichtet worden sind, trennt sich Will von seiner Frau und begibt sich auf Forschungsreisen für ein neues Buch. Reisen, kleine Beziehungen, nichts ernstes, so zieht er von Nationalpark zu Nationalpark um die Welt. Die letzte Station ist Assam, wo er durch politische Unruhen gezwungen ist, einen etwas längeren Aufenthalt bei einer Freundin der Mutter einzulegen. Beide, die Freundin wie auch die Mutter sind Überlebende des Holocausts.

Will lernt dort eine traurige, schöne Amerikanerin kennen, die mit ihm durch die Teeplantagen ihres schwerkranken indischen Ehemannes wandert. Eine dunkle, verbotene Leidenschaft bahnt sich an, aber beider Vergangenheit zerstört die Illusionen.

Der Höhepunkt, bes. die "Enthüllung"

ist vielleicht ein bisschen zu überspitzt, zeigt aber vielleicht auch das Klischeedenken

vieler, das erst im absolut Absurden gipfeln muss, aber vielleicht doch

so sein muss. Die Vergangenheit, auch die der Elterngeneration holt alles und jeden ein. Es ist nun die Frage, ob man in der Lage ist, damit umzugehen, die Schuld früherer Generationen anzunehmen, zu verdrängen oder weiter zu fragen.

Janice Deaner: "Die Schatten der Vergangenheit"
Rowohlt, gebunden, 19,90 Euro.
Diese Besprechung schrieb Annaluise Erler.