Hans-Joachim MaazDie Liebesfalle

Beck

Dieses Sachbuch ist zwar in erster Linie hilfreich für werdende oder junge Eltern, aber nicht weniger interessant für jeden anderen Leser.

Spürbar wird das Anliegen des Autors Hans-Joachim Maaz, nach jahrzehntelanger Tätigkeit als Psychiater und Psychoanalytiker, mit diesem Buch möglichst an der „Wurzel“ etwas zu ändern, um aufwändige Therapien überflüssig zu machen.

Er will aufzeigen, wie und warum die Liebesfalle funktioniert und wie man ihr entkommen kann und das gelingt ihm zweifellos auf sehr verständliche Weise. Fachbegriffe verwendet er, nachdem er sie gut erläutert hat.

Maaz analysiert logisch und präsentiert seine Erkenntnisse, um gleich anschließend aufzuzeigen, welche Auswirkungen partnerschaftliche Beziehungen (und Probleme) auf Beziehungen in der Gesellschaft haben, immer mit praktischen Beispielen.

Problematische Sehnsucht nach Liebe hat ihre Ursache in seelisch verletzenden Kindheitserfahrungen. Und leider ist eine Korrektur dieser Erfahrungen später kaum oder gar nicht mehr möglich, ansatzweise noch auf dem Weg des Erkennens und An-sich-selbst-Arbeitens oder über eine fachkundig betreute Therapie.

Eine sehr wichtige Empfehlung, erst zu fühlen und dann zu handeln, beschreibt der Autor mit all den Konsequenzen, die sich für den Einzelnen und sein Sozialverhalten ergeben.

Maaz liefert Erklärungen z.B. für Faschismus, für Konsumismus, Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft.

Er vertritt den Standpunkt, dass sich viel Leid und viele Krankheiten vermeiden ließen, würde von staatlicher Seite rechtzeitig investiert, indem junge Eltern moralisch unterstützt werden und in Elternschulen Hilfe und Informationen erhalten. Es ließe sich deshalb darüber streiten, ob ein anderer Buchtitel nicht besser diese zu „beratende“ Klientel angesprochen hätte. Der Untertitel führt allerdings zum Glück in die richtige Richtung und erreicht alle, die der Meinung sind, dass es nie zu spät ist, an einer neuen Beziehungskultur zu arbeiten.

Hans-Joachim Maaz: "Die Liebesfalle"
Beck, Taschenbuch, 14,90 Euro.
Diese Besprechung schrieb Bärbel Kretschmer.