Michael WildenhainDas Lächeln der Alligatoren

Klett-Cotta

Es fängt ganz einfach an: Matthias verehrt Marta, die, schon 18 und damit drei Jahre älter als er, sich so gar nicht um ihn kümmert. Aber mit Hartnäckigkeit kommt er ihr näher. Eine Nähe, die wieder aufzuleben scheint, als sie sich - zufällig? - im Studium wieder treffen. Trotz massiver Irritationen glaubt Matthias an ihre Liebe und erkennt nicht, dass Marta mit ihm nur spielt und ihn für ihre Zwecke ausnutzt. Zwecke, die direkt in den deutschen Herbst mit seinen terroristischen Verbrechen führen. Wildenhain vermag es meisterlich, die widerstrebenden Gefühle und Gedanken des Protagonisten mit Grundfragen der Intelligenz zu verbinden und damit den beiden Dimensionen körperliche Ergebenheit und politisch aufgeheiztes Klima der 70er noch eine dritte Dimension hinzuzufügen: Was ist das Sein? Wer trägt Verantwortung, welche Rolle spielt der Einzelne im sog. Kollektiv?

Zu Recht wurde dieser Roman für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert. Er hätte es verdient, ihn zu gewinnen! Auf jeden Fall ist das Buch jedem zu empfehlen, der sich mit der aufgeheizten Situation im sog. Deutschen Herbst auseinandersetzen will. Ja, ich traue mich sogar, einen Vergleich zu bringen: Zwar ganz anders als jenes Buch, erschient es mir als interessante Ergänzung zu Heinrich Bölls Katharina Blum.

Michael Wildenhain: "Das Lächeln der Alligatoren"
Klett-Cotta , gebunden, 19,95.
Diese Besprechung schrieb Prof. Dr. Jörn Erler.