Willem Fredrik HermansAu pair

Kiepenheuer

Dies ist ein spätes Werk des Autoren und recht umfangreich mit seinen 494 Seiten.

Und obwohl es in einer namhaften Zeitung ziemlich schlecht besprochen wurde, hat dieser düstere Ton, die bedrohliche Stimmung des Romans mit seiner merkwürdigen Handlung mich auf eigenartige Weise gefesselt.

Paulina ist 19 Jahre alt und möchte Kunstgeschichte und Französisch studieren, am liebsten in Paris. Aber um das zu bewerkstelligen, muss sie erst einmal dorthin gelangen. Eine Au-Pair-Stelle in Paris biete sich als Sprungbrett förmlich an. Das dies nun nicht gleich im ersten Anlauf klappt, versteht sich von selbst. Verzweiflung, Angst, auch Panik…

Paris von einer ganz anderen Seite, düster und korrupt, hinter der ordentlichen Fassade des gutbürgerlichen Vorderhauses der Staatsanwältin und des geilen Gatten und Sohnes (man findet leider hier kein anderes Wort). Im Hinterhaus und auf den Dachböden „wohnen“ völlig verarmte Asylbewerber, die ordentlich ausgenommen werden, z.B. schichtweise schlafen, sodass man die „Zimmer“ zweimal vermieten kann.

Nachdem sie zum zweiten Mal die Frühstücksbrötchen aus ihrer eigenen Tasche bezahlen muss und dann noch der Verschwendung betitelt wird, wechselt Paulina in eine noch merkwürdigere Stelle. Sie soll einem steinreichen General Gesellschaft leisten. Hier lebt die ganze Familie mit im Haus. Sehr vornehm, sehr groß und noch viel merkwürdiger. Paulinas Aufgabe in dem Haus ist nicht ganz klar. Soll sie mit dem Enkelsohn verkuppelt werden oder „nur“ als Kurier fungieren? Kurier wofür, und womit hat dieser General eigentlich sein vieles Geld verdient? Erst ziemlich zum Schluss ahnt man, wohin dies führt.

Es ist ein Buch über die Undurchschaubarkeit der uns umgebenden Welt, über Sein uns Schein, Wahrheit und Betrug.

Willem Fredrik Hermans: "Au pair"
Kiepenheuer, gebunden, 19,90 Euro.
Diese Besprechung schrieb Annaluise Erler.